Jacques Herbin hat sich für seine neueste Tinte mit dem Künstler Marc-Antoine Coulon zusammengetan. Heraus kam die Tinte “Nude”. Außerdem einige irritierte Blicke von Füllerfans.

jacques herbin nude 1024x683 - Jacques Herbin "Nude" - Tinte des Monats

Die französische Firma Jacques Herbin, die es seit 1670 gibt, hat sich in diesem Jahr daran gemacht eine Tinte in Zusammenarbeit mit einem Künstler herauszubringen. Als Anfang einer neuen Serie.
Die Tinten der Serie “créations d'artistes” startet mit einer Tinte die Jacques Herbin in Zusammenarbeit mit dem Künstler Marc-Antoine Coulon, ein Fashion Illustrator, entwickelt hat. Sie nennt sich: “Nude”. Also Nackt.

Ob die irritierten Blicke und Kritik an dieser Tinte gerechtfertigt sind, gehen wir hier im Review als Tinte des Monats ein wenig auf die Spur.

Die Farbkarte

jacques herbin nude farbkarte 1024x683 - Jacques Herbin "Nude" - Tinte des Monats

Wie üblich gibt uns die Farbkarte einen ersten, sogar tiefen, Einblick in das Verhalten der Tinte. Hier bei der Nude fällt sofort auf: Sie ist sehr leicht.
Die Farbe hat einen großen Helligkeitsbereich, allerdings ist sie nie wirklich dunkel. Sie ist hell und wird noch viel heller.

Bei dem Farbmuster auf der linken Seite ist der obere Bereich durch ein doppeltes Auftragen der Tinte (nass in nass) entstanden.

Das Formular

herbin nude formular 683x1024 - Jacques Herbin "Nude" - Tinte des Monats

Das Formular zeigt uns bei dieser Tinte einen großen Unterschied im Erscheinungsbild zwischen einer M- und einer B-Feder. Die Schrift der M-Feder ist schwer zu lesen, die Schrift der B-Feder ist zwar hell, aber gut lesbar. Bei beiden Schriftproben haben wir aber ein angenehmes Shading der Tinte.

Die Trocknungszeit ist hier schwer zu bestimmen, da die Tinte mit der M-Feder so hell ist. Sie dürfte aber in einem guten Bereich liegen, zumal ein Verwischen kaum sichtbar ist.
Interessanterweise neigt diese Tinte aber bei schlechtem Papier durchaus zum Durchbluten. 

Ein Wassertropfen löst diese Tinte komplett an und hinterlässt nur einen Fleck, ein Tintenlöscher verfärbt diese Tinte.
Da die Tinte so hell ist, ist bei einem feuchten Verwischen aber nichts erkennbar.

Mein Fazit zur Jacques Herbin “Nude”

Diese Tinte ist wohl die merkwürdigste Tinte, die ich bisher in den Händen hatte. Selbst, wenn man UV-Tinten und ähnliches mit einrechnet.

Denn diese Tinte ist sehr speziell. 

Alle Tests zeigen es: je mehr Tinte auf das Papier kommt, desto besser ist die Tinte wahrnehmbar. Oder wird überhaupt erst vernünftig lesbar.

Die Tinte ist sehr hell und leicht. Beim ersten Aufziehen des Konverters stand bereits die Frage im Raum: Muss man diese Tinte schütteln? Sie wirkt so wässrig.
Nein. Man muss die Tinte nicht schütteln. Sie ist so.

Es ist nicht nur eine Tinte, die sehr leicht auf dem Papier wirkt, auch die Tinte selber wirkt so.

Das sorgt beim Schreiben schon für Probleme. Das Schriftmuster mit der M-Feder war schwer zu schreiben. Da die Tinte so leicht und wässrig ist, war es schwer zu lesen, was man gerade geschrieben hat. Je nach Licht wird es noch schwerer.
Bei der B-Feder war dies aber schon kein Problem mehr.
Nachdem die Tinte getrocknet ist, lässt sich diese übrigens besser lesen. Ein wenig. Sie ist immer noch sehr leicht. Und meiner Meinung nach nicht mit der Lamy-M-Feder gut nutzbar. Bei der Pelikan-B-Feder habe ich keine Probleme.

Wenn man also mit dieser Tinte schreiben will, sollte man einen Füller nehmen der eine sehr flüssig schreibende Feder hat. Möglichst mit nicht zu feiner Spitze. Ich möchte mir nicht ausmalen wie diese Tinte aus einer F- oder EF-Feder wirkt.

Der Farbton ist meiner Meinung nach aber sehr passend zum Namen. Nude. Nackt. Oder einfacher mit “Hautton”. Und das kommt schon hin. Jedenfalls bei einem Teil der Weltbevölkerung.

Egal wie die Meinung über die Tinte ist: Ich muss Herbin meinen Respekt aussprechen. Es war sicher nicht leicht die Tinte so zu entwickeln das sich dieser leichte Farbton so gut wiedergeben lässt. Und das ist sehr gut.
Leider eben für Füller bedingt nutzbar.

Wenn wir aber einmal zurückblicken mit wem die Tinte entwickelt wurde, wird einem vielleicht manches klarer: Der Künstler ist Marc-Antoine Coulon. Ein Fashion Illustrator. Ein Bereich in dem man doch sicher ab und an ein wenig die Menschen darstellen muss.
Und hier kann ich mir die Tinte sehr nützlich vorstellen. Gerade, wenn wir uns den Farbbereich der Tinte auf der Farbkarte anschauen wird uns das Potenzial hier sehr deutlich.

Für den Füller wie gesagt nur bedingt nutzbar. Aber mit dem richtigen Füller durchaus problemlos zu schreiben und anschließend auch lesbar.
Eindeutig nichts für die meiste Korrespondenz. Aber es mag hier auch Fälle geben, wo diese Farbe nutzbar ist.

Die Tinte kommt übrigens in der schicken Box in der auch die 1670er und 1798er Serien kommen. Allerdings ohne Wachsdeckel. Dabei sind auch zwei kleine Booklets. In einem findet man einen Hintergrund zu Herbin, der Tinte und den Künstler und im anderen findet man einen Überblick über Herbin und seine Produkte. Jeweils in französisch und englisch.

Tinte des Monats ist eine Beitragsreihe, in der jeden Monat eine andere Tinte vorgestellt wird. Durch die immer gleiche Ausführung dieser Vorstellung soll ein Vergleich der Tinten erleichtert werden.
Testmuster Das hier beschriebene Produkt wurde mir vom Hersteller für diese Vorstellung und Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies geschah ohne Vorgaben und ohne Einflussnahme auf den Artikel durch den Hersteller. Die hier geschriebene Meinung, egal ob positiv oder negativ, spiegelt meine eigene Einschätzung wieder.
Author

Ein Freak von Papier, Stiften und Tinten. Aber ein wenig verrückt muss man ja sein.

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