Bei Etuis steckt mehr im Detail, als man denkt. Auf dem Papier sollen sie alle dasselbe tun: einen Füller schützen, transportabel sein, gut aussehen. In der Praxis entscheidet oft etwas viel Banaleres. Passt der Füller wirklich hinein und bleibt er dort auch heil? Es ist egal, ob man eine stylische Eleganz vor sich hat, oder etwas stilvoll Zurückhaltendes. Es muss funktionieren. Unabhängig davon, wie luxuriös es anmutet.
In diesem Beitrag geht es um Modelle in sehr unterschiedlichen Richtungen und Arten. Drei Exemplare von Hugo Boss, zwei neue Varianten von Cleo Skribent, ein Rollcase von Pilot, eine Pen Roll von Taccia und farbige Stecketuis von Récife. Alle funktionieren. Aber jedes davon hat seine Eigenheiten, und manche davon sieht man erst, wenn ein Schreibgerät tatsächlich im Etui steckt.
Das Etui für einen Füller von Hugo Boss
Optisch ist das ein sehr klassisches Lederetui. Es ist schlicht, kompakt und wirkt durch das genarbte Leder hochwertig. Die Struktur ist sauber ausgearbeitet, die Nähte sind präzise und innen sitzt ein weiches Futter.
In der Nutzung ist es im Grunde ein kleines Schlampermäppchen (auch Faulenzer oder Schlamperetui genannt) in Mini. Das hat einen Vorteil: Auch breite Füller passen problemlos hinein. Kleine und kurze Füller natürlich erst recht. Bei sehr langen Modellen kann es allerdings knapp werden, ein Oversize-Füller kann schon zu lang sein.
Die Schwachstelle liegt nicht beim Etui als solchem, sondern beim Reißverschluss. Weil der Füller innen nicht fixiert ist, kann er an den Reißverschluss geraten und dort reiben. Wer Stifte mit empfindlichen Oberflächen transportiert, sollte das berücksichtigen. Für einen einzelnen Füller unterwegs ist es trotzdem funktional und unkompliziert, wenn man mit diesem Problem leben kann.
Ein Stiftetui von Hugo Boss für 2 Stifte
Auch hier kommt genarbtes Leder zum Einsatz, die Verarbeitung wirkt hochwertig. Im Inneren sitzen Lederschlaufen für zwei Schreibgeräte, die optisch viel versprechen. In der Praxis sind sie aber kaum dehnbar. Dadurch wird das Etui deutlich wählerischer, als man erwartet.
Schon ein Lamy Safari kann zu dick sein. Damit es bei diesem Stift von der Länge passt, müsste die Kappe unter die Schlaufe, und das funktioniert im Alltag nicht gut. Allgemein dickere Stifte haben keine Chance, mit diesem Etui zusammenzuarbeiten. Schmalere und mittelgroße Füller lassen sich dagegen problemlos einschieben. Das Etui ist damit nicht grundsätzlich schlecht, aber es ist ein Etui für bestimmte Stifte, nicht für die breite Masse.
Hugo Boss Klappetui mit Magnetverschluss
Dieses Modell ist im Alltag klar die entspanntere Lösung. Die Klappe öffnet leicht und wird über einen Magneten gehalten. Innen sind die Fächer großzügig geschnitten und bieten spürbar mehr Raum als das Reißverschlussetui. Dadurch passen auch größere Stifte hinein, die im anderen scheitern. Es ist aus echtem Leder gefertigt.
Zwei breite Füllfederhalter liegen etwas enger, passen aber gut. Positiv ist die durchgehende Trennung, die die Füller sauber voneinander separiert. Auch lange Füller passen problemlos. Insgesamt wirkt das Etui modern, schützt gut und ist innerhalb der Auswahl aus dem Hugo-Boss-Sortiment das vielseitigste Modell.
Cleo Skribent: zwei neue geriffelte Reißverschlussetuis
Von Cleo Skribent sind zwei neue Etuis dabei, die ich bisher noch in keinem Shop gesehen habe. Beide nutzen dieselbe Form, aber unterschiedliche Ledersorten und Farben. Auffällig ist die geriffelte Oberfläche. Das ist ein Detail, das beide Etuis sofort von anderen abhebt, auch wenn es rein dekorativ ist.
Das grüne Etui besteht aus glattem Leder, während das braune aus Wildleder ist und damit mit der Zeit Patina entwickeln wird. Damit verändert es den Charakter und macht es lebendiger, im besten Sinne.
Innen fällt ein praktischer Unterschied zu vielen Lederetuis auf: Die Stiftschlaufen bestehen aus breitem Gummiband. Sie geben nach und passen sich auch breiteren Füllern an. Von der Länge passen hier problemlos auch Oversize-Exemplare hinein. Selbst zwei breite Füller passen nebeneinander hinein. Dazu kommen die breiten Gummischlaufen, die die Chance verringern, dass sich die Füller im Etui berühren. Das ist kein spektakuläres Feature, aber genau solche Details entscheiden im Alltag.
Pilot Rollmäppchen
Das Rollcase von Pilot ist sehr funktional aufgebaut. Es lässt sich komplett ausbreiten. Innen gibt es mehrere Steckplätze und zusätzlich eine Netztasche. Außen ist es robust, innen seidig glänzend. In die Netztasche passen zum Beispiel zwei Packungen Tintenpatronen. Oder halt alles, was sich später noch einrollen lässt.
Interessant sind die unterschiedlich breiten Taschen. In der größten Tasche können sogar zwei breite Füller nebeneinander liegen, dann allerdings ohne Trennung. Die beiden schmaleren Taschen sind trotzdem breit genug für größere Füller. Zum Schutz gibt es eine kleine Stoffklappe, die beim Einrollen über die Füller gelegt wird, damit Kappen oder Clips nicht gegeneinander scheuern.
Das Ergebnis ist eine flexible, leichte Lösung mit viel Platz. Und wie bei Rollcases üblich wächst der Durchmesser mit der Zahl und Größe der eingesetzten Stifte.
Taccia Kimono Pen Roll Nishijin – Sakura Festival
Taccias Kimono Pen Roll besteht aus traditionell gewebtem Stoff. Struktur, Farben und Muster sind sehr fein gearbeitet. In der Variante Sakura Festival ist das optisch ein Highlight, ohne aufdringlich zu wirken. Innen ist ein samtartiger Stoff vernäht.
Vier Füller finden hier Platz. Die Taschen sind flexibel, da der Stoff leicht nachgibt. Dadurch passen viele verschiedene Füllertypen hinein. Die Füller werden zusätzlich von einem großen Stoffstück abgedeckt und geschützt. Wer eine leichte Pen Roll mit japanischer Ästhetik sucht, findet hier eine sehr stimmige Option.
Récife Riviera Red und Riviera Magenta
Bei Récife wird es deutlich farbenfroher. Die Modelle in Riviera Red und Riviera Magenta fallen sofort auf, besonders das 2er-Etui in Magenta. Diese Farbvariante wurde inzwischen eingestellt. Es ist nicht meine Farbe, aber es ist so ein Stifteetui, das eindeutig auffällt.
Die Etuis bestehen aus festem Echtleder und sind Stecketuis. Die Kappe des Etuis wird über den unteren Teil geschoben, so weit, wie es mit eingesetztem Füllhalter eben geht. Dadurch ist die Länge des Füllers kaum ein Problem. Am Anfang kann das Öffnen und Schließen schwergehen, das legt sich in der Regel mit der Zeit.
Das 1er-Etui ist rund und an einer kleinen Naht vernäht. Dadurch ist der Umfang begrenzt. Trotzdem passen viele breitere Füller hinein und sind rundum gut geschützt.
Das 2er-Etui ist konstruktiv interessanter. Zwei Röhren liegen nebeneinander, ebenfalls als Stecksystem. Allerdings gibt es zwischen den beiden Rundungen eine offene Verbindung, die nicht vernäht ist. Je nach Füller können sich die Stifte dort berühren oder aneinander reiben. Es gibt ähnliche Etuis, bei denen die Mitte vernäht ist und die dadurch sicherer wären. Hier ist das nicht der Fall. Man muss es einfach wissen.
Fazit: Jedes Stiftetui funktioniert, aber nicht jedes passt
Jedes dieser Etuis erfüllt seinen Zweck, aber mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Manche haben klare Vorteile, andere deutliche Einschränkungen. Und natürlich kann man in allen auch unter anderem Kugelschreiber unterbringen.
Dabei ist es natürlich egal, ob man nun einen Diplomat, Montblanc, Esterbrook oder eine andere Marke hat. Selbst ein Kaweco Sport passt normal hier hinein, wenn es auch schwerer sein kann, ihn aus tiefen Taschen herauszubekommen.
Hugo Boss bietet hochwertig verarbeitete Lederetuis. Hierbei ist das Klappetui am vielseitigsten und kann zwei Füller aufbewahren. Das Reißverschlussetui für zwei Stifte sieht zwar gut aus, ist aber nur für schmale Füller geeignet. Das Einzel-Etui ist unkompliziert, verlangt aber etwas Aufmerksamkeit wegen des möglichen Kontakts zum Reißverschluss.
Cleo Skribent liefert ein gut nutzbares Reißverschlussmodell mit eigenständigem Design. Die breiten Gummischlaufen machen es eigentlich für die meisten Füller hervorragend geeignet. Und sorgt entgegen einer schmalen Stiftschlaufe auch für einen besseren Schutz gegeneinander. Die unterschiedlichen Lederarten geben den beiden Varianten zusätzlich einen klaren eigenen Charakter.
Pilot bietet mit dem Rollmäppchen große Flexibilität und erstaunlich viel Platz. Es ist praktisch, leicht und ideal für mehrere Stifte oder Zubehör. Durch die unterschiedlich breiten Taschen dürften hier auch sehr breite Stifte unterkommen. Die kleine Stofflasche schützt dabei die Stifte beim Einrollen ausreichend.
Taccia setzt auf ein sehr ansprechendes Design. Die Pen Roll ist leicht, elegant und hält die Füller dabei gut geschützt. Das Innenleben wirkt dabei sehr schützend.
Récife kombiniert auffällige Farben mit robuster Verarbeitung. Das 1er-Modell schützt gut. Das 2er-Modell erfordert wegen der offenen Mitte etwas mehr Aufmerksamkeit. Beide sind ungewöhnliche Alternativen zu klassischen Lösungen.
Am Ende hängt die Wahl vom eigenen Füller und dem gewünschten Einsatzzweck ab. Manche Etuis schützen besser, andere bieten mehr Platz. Wieder andere überzeugen über ihr Design oder besondere Materialien. Und ein gutes Etui ist nebenbei auch ein Geschenk, das tatsächlich genutzt wird, was man nicht über jede andere Geschenkidee sagen kann.
Video
Es gibt auf YouTube von mir im Channel auch ein Video-Review. Schaut einfach mal rein.
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