Verschiedene Füller mit unterschiedlicher Federbreite

Wenn man sich einen Füller kauft hat man meistens die Auswahl zwischen verschiedenen Federbreiten. Doch was genau bewirken diese? Wie äußert es sich? Und welche gibt es?

Bei dem Kauf eines Füllers werden oft Begriffe wie Federbreite oder Federstärke genannt. Denn einen Füller kann es mit verschiedenen Federn geben. Und die Federbreite, oder die Federstärke, geben hier vor wie die Feder geschliffen ist. Zum Beispiel von der Breite her.

Das bestimmt natürlich die Strichbreite, die ein Füller zieht.

Damit man zwischen den verschiedenen verfügbaren Federn unterscheiden kann, sind diese normalerweise gekennzeichnet was man allgemein hin als Federbreite bezeichnet. Allerdings kann in dieser Bezeichnung mehr als nur die Federbreite mit enthalten sein. Zum Beispiel, das eine Feder so geschliffen ist, dass man diese schräg halten muss zum Schreiben.

OK. Ein holpriger Start. Wenn ich bei dem Thema “Füller” neu bin, was soll ich da nehmen?

Das hängt natürlich davon ab, wie man schreibt. Menschen die eine kleine Schrift haben, sollten sich natürlich auch einen Füller zulegen der eher einen feinen Strich hat. Wer groß schreibt, kann auch breiter schreibende Füller in Betracht ziehen.

Schon mal vorweg: die wohl universellste Größe ist: “M”.  “M” steht hierbei für Mittel oder Medium. Und damit ist es sicherlich die Wahl für alle die, die noch nicht so zu Hause sind in der Welt der Füller.

Wer allerdings einen Füller lediglich für Unterschriften sucht kann auch gut zu einer “B”-Feder greifen.

Die Auswahl der Füller hier in der Illustration genutzten Füller
Die zur Verdeutlichung genutzten Füller. Von “EF” links zu “Stub 1,3” rechts.

Welches sind die gängigen Federbreiten?

Es gibt drei Federbreiten, die kann man heute als gängig bezeichnen:

  • F – Fein | Fine
  • M – Mittel | Medium
  • B – Breit | Bold

Diese Breiten gibt es bei den meisten Füllern.

Bedenken muss man dabei aber, das diese Bezeichnung nicht genormt ist. Jeder Hersteller kann seine Federn anders schleifen. So kann ein Hersteller durchaus eine “M”-Feder herstellen, die bei anderen schon nahezu eine “F”-Feder ist.

Was gibt es sonst noch?

A – Anfänger

Diese Federbreite kennzeichnet Füller, die speziell für Schreibanfänger entworfen worden sind. Sie sollen besonders das Erlenen des Schreibens, besonders des Schreibens mit dem Füller, erleichtern.

EF – Extra Fine

Eine zwar nicht ganz so gängige Federbreite ist “EF“, aber man findet sie dennoch öfters. Gerade bei Füllern aus dem asiatischen Raum. “EF” steht hierbei für Extra-Fein oder Extra-Fine. Also mit einer besonders feinen Strichbreite. Da gerade im asiatischen Raum für die Schriftzeichen eine feine Strichbreite gefordert ist, hat man dort öfters auch eine EF-Feder im Programm. Allerdings kann man öfters beobachten, dass asiatische Hersteller durchaus einen feineren Schliff generell haben.
Die EF-Feder ist aber natürlich auch bei vielen anderen Herstellern im Programm.

Verschiedene Federstärken in unterschiedlichen Schrifthöhen.
Zur Verdeutlichung eine EF, F, M, B, OBB, Stub 1,1 und Stub 1,3 Feder in unterschiedlichen Schrifthöhen geschrieben.

Darf es etwas seltener sein?

Jetzt kommen ein paar selten gewordene Federbreiten. Sie waren mal häufiger anzutreffen, sind aber in den meisten Fällen einfach so selten gefragt, dass die Hersteller die Produktion meist eingestellt haben.

BB – Extra Breit

Die Federn der Stärke “BB” sind extra breit. Also noch breiter als die “B”-Feder. Sie eignet sich eindeutig nicht für Personen mit einer feinen Handschrift. Die “BB”-Feder erfordert schon eine gewisse Größe bei der Handschrift. Sie kann sich aber ebenso wie eine “B”-Feder sehr gut für Unterschriften eignen. Generell passt diese Federstärke aber nur zu einem größeren Schriftbild.

Besonders ist hierbei noch das diese BB-Federn im Normalfall nicht über einen runden Federkopf wie die Standard-Breiten verfügen, sondern dieser Federkopf gerade ist.

OM – Mittel / angeschrägt

Die Federstärke “OM” gibt nicht nur die Strichbreite an, sondern  sagt auch das die Feder “oblique”1, also schräg, ist. Man erkennt solche Oblique-Federn daran, das die Feder nach links hin abgeschrägt ist.
Diese Feder fängt bereits an geringe Varianzen zeigen zu können und gibt einen ersten, leichten, kalligraphischen Hauch des Schriftbildes.

OB – Breit / angeschrägt

Wie bei der Federbreite “OM” hat man es hier mit einer Oblique-Feder, also einer schrägen Feder zu tun. Diese Feder hier ist entspricht der Breite “B” und ist nach links angeschrägt.

Diese Feder hat die Möglichkeit Varianzen im Schriftbild zeigen zu können, und gibt damit der Schrift einen gewissen kalligrafischen Hauch.

OBB – Extra Breit / angeschrägt

Diese Feder gehört ebenso zu den Oblique-Federn. Mit einer Strichbreite äquivalent zu der “BB”-Feder, nur in der angeschrägten Federvariante.

Diese Feder zeigt Varianzen im Schriftbild und gibt damit der Schrift kalligrafische Elemente.

LH – Linkshand

Eine Feder speziell für Linkshänder. Oft als Schreiblernfüller. Die Angabe erfolgt ft als Ergänzung zu der eigentlich Federstärke. Zum Beispiel “M LH”.

Darf es noch seltener werden?

OF – Fein / angeschrägt

Ja, es gibt auch angeschrägte F-Federn. Wie man sich vorstellen kann, ist hier aber kaum eine Varianz im Schriftbild zu sehen.

O3B – Extra extra Breit / angeschrägt

Die Steigerung der OBB.

BBI – Extrabreit Italic

Hier haben wir es schon mit einer Kalligrafiefeder zu tun.

Und es gibt noch einige Breiten und Varianten mehr. Allen voran natürlich allgemein die Italic-Federn.

War da nicht mal was mit “Stub”?

“Stub” kennzeichnet Federn die keine spezielle Breite haben. Es sind Federn die aber ein flaches Korn haben, das nur an den Seiten abgerundet ist. Dadurch ist das Schriftbild mit einer Stub-Feder deutlich anders. Es sind Federn die durch dieses flache Korn eine ausgeprägte Strichvariation erlauben. Meistens wird die Breite der Feder noch mit angegeben. Zum Beispiel eine Stub 1,2 mm.

'Am Anfang war nichts, und es explodierte' mit verschiedenen Federn.
Gleicher Text mit den unterschiedlichen Federn geschrieben.

Moment mal: “Korn”?

Das Schreibkorn, oder auch nur Korn genannt, ist der eigentliche Teil der Feder der das Papier berührt. Dieses Korn, oft aus einer Platin-Iridium-Legierung 2, ist mit der eigentlichen Feder verschweißt.
Beim Schreiben berührt also nicht das eigentliche Federmaterial das Papier, und kann sich nicht abtragen. Da dieses Korn aufgrund der Legierung sehr hart ist, nutzt es auch nicht so ab, wie es bei Gold zum Beispiel der Fall wäre.
Damit man mit diesem Korn schreiben kann, wird dieses in Form geschliffen. Je nach Federstärke natürlich unterschiedlich. Je runder das Korn ist, desto unempfindlicher ist der Füller auf eine korrekte Schreibhaltung.

Also, welche Federstärke sollte ich nehmen?

Wie eingangs schon erwähnt ist die universellste Federstärke wohl “M”. Damit kann man relativ wenig falsch machen. Wer allerdings eine sehr kleine Schrift hat, fühlt sich sicher mit “F” auch ganz wohl.
Als Unterschriftenfüller kann man auch zu “B” greifen.

Für Schreibanfänger dann gerne “A”.

Für alle anderen Federbreiten kann ich nur empfehlen diese einmal im Voraus zu probieren. Zum einen, ob einem das Schriftbild gefällt und natürlich auch, ob man mit der Handhabung zurechtkommt. Was nicht immer einfach sein muss.


Genutzte Füller zur Illustration:

EF Pelikan Demonstrator
F Faber-Castell Ambition
M Diplomat Aero
B Cross Townsend
OBB Rotring Renaissance
Stub 1,1 TWSBI Diamond 580 AL Turquoise
Stub 1,3 Visconti Homo Sapiens

 

  1. oblique ist französisch für “schräg”
  2. Iridium ist ein chemisches Element mit dem Symbol Ir und der Ordnungszahl 77. Es ist ein Edelmetall aus der Gruppe der Platinmetalle
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Ein Freak von Papier, Stiften und Tinten. Aber ein wenig verrückt muss man ja sein.

2 Kommentare

  1. Hallo! Ein sehr schöne Übersicht, die ich Anfänger_innen gerne zeigen werde. Zum Federkorn bin ich kürzlich auf dieses Video gestoßen: https://www.youtube.com/watch?v=_aQQbCjAhVs

    Es scheint, dass die allermeisten Federkörner nicht aus Iridium sind, die modernen Federn schon gar nicht. Das ist mir auch neu, ich dachte bisher nämlich auch immer, dass das Korn aus Iridium besteht.

    Liebe Grüße!
    Witty

  2. Chris Reply

    Ja, das ist interessant. Das es kein reines Iridium-Korn ist, war klar. Sagte ich ja auch oben.
    Aber es macht schon Sinn das mittlerweile komplett ersetzt zu haben.

    Die genaue Beschaffenheit hängt sicher auch vom Hersteller ab. Wobei natürlich schon auf ein Kosten-Nutzen-Faktor in jeder Fabrik geschaut wird.

    Muss ich mal schauen ob ich da weitere Informationen zu bekomme.

    Danke für den Hinweis. 🙂

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